Donnerstag, 16. Mai 2013

Aufstand gegen Berlins erste Frauen-Sporthalle

Marzahn – Was Frauen wollen? Ganzer Text Berliner Kurier

Während Männer seit Jahrtausenden über diese Frage grübeln, ist man beim Bezirk Marzahn-Hellersdorf weiter: Eine Sporthalle nur für Frauen. Die soll zwar erst 2014 öffnen, doch schon jetzt formiert sich Widerstand.

Der bauliche Zustand öffentlicher Sportstätten und die Nutzungsbedingungen mit festen Zeiten entsprechen nicht den Erwartungen von Frauen. Das ergaben Recherchen des Schul- und Sportamtes und der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten.

Also soll im Freizeitforum Marzahn (FFM) eine Frauensporthalle entstehen (KURIER berichtete). Auch, weil „vielen Frauen die Hallen zu schmutzig waren. Das ist den Männern nie aufgefallen“, so Bezirksbürgermeister Stefan Komoß (SPD). Frauen würden sich stattdessen einen Ort der Geselligkeit wünschen.

Doch gegen den Plan (für den Komoß den Gender-Budgeting-Preis der Senatsverwaltung erhielt) regt sich Widerstand. Der Leiter einer Seniorengymnastik beschwerte sich bereits in einem offenen Brief. Mit der geschlechtsspezifischen Umwandlung wäre das Treffen der rüstigen Rentner dahin. Eine vierköpfige Initiative (darunter drei Frauen) sammelt derzeit 1000 Unterschriften, um das Thema in der BVV zur Abstimmung zu stellen. Denn viele Paare, Familien und Gruppen, die sich regelmäßig zum Tischtennis, Badminton oder Basketball treffen, müssten den gemeinsamen Sport aufgeben.

Für den dreifachen Kampfsport-Weltmeister Karsten Lieke hätte die Frauensporthalle noch weitreichendere Konsequenzen. „Diese würde mich meine berufliche Existenz kosten“, so der Betreiber einer Kung Fu- und Tai Chi-Schule im FFM. „Ich bin ein Mann, ein Großteil meiner Schüler sind männlich. Wir alle dürften die Halle nicht mehr betreten“. Sarah Fingarow (26) von den Linken kritisiert vor allem die Standortentscheidung. „Die Halle im FFM wurde vor wenigen Monaten für 1,4 Millionen saniert, sanitäre Anlagen, Fußböden und Umkleiden sind in einem einwandfreien Zustand. Das muss allen Menschen, besonders Familien, erhalten bleiben.“

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